Erdgas und Energie | Donnerstag, 16.04.2009
Guttenberg fordert niedrigere Gaspreise
Trotz stark gesunkener Ölpreise bleiben die daran gekoppelten Gaspreise in Deutschland weiterhin auf einem zu hohen Niveau. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie im Auftrag der Grünen. Der Grund: Insbesondere die großen Gasversorger geben nur einen Bruchteil der gesunkenen Bezugspreise an die Haushaltskunden weiter. Die „ungerechtfertigten Einnahmen“ werden in der Studie auf ca. 350 Millionen Euro beziffert.
„Bei den Gaspreisen gibt es deutliche Hinweise auf eine Abzocke der Verbraucher“, sagte Bärbel Höhn, stellvertretende Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion. „Angesichts der stark gesunkenen Weltmarktölpreise müssten die Gasversorger Ihre Tarife doppelt so stark senken wie erfolgt. Das sie es nicht tun, liegt am unzureichenden Wettbewerb auf dem Gasmarkt.“ Laut Experten hat der Gaspreis im Frühjahr um etwa 12 Prozent nachgegeben, durch die Preisbindung an das Öl hätte der Rückgang aber 25 Prozent betragen müssen.
Mehr Wettbewerb auf dem Gasmarkt fordern auch die FDP und die Grünen im Bundestag. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) kritisierte am Mittwoch die Preispolitik der Gasversorger. Er ermahnte die Energieversorger, „gesunkene Gasbezugspreise in vollem Umfang und zeitnah an die Verbraucher weiterzugeben“. Trotz sinkender Beschaffungskosten wird derzeit nur rund die Hälfte des Preisrückgangs an die Endkunden weitergegeben.
Der CSU Minister appelliert nun an die Verbraucher und fordert Sie dazu auf, vermehrt von der Möglichkeit eines Anbieterwechsels Gebrauch zu machen. Um die Wechselbereitschaft der Kunden zu fördern, arbeitet das Ministerium weiterhin an der Vereinfachung des Zugangs zu den Gasnetzen der großen Versorger.
„Es gibt keinen Wettbewerbsdruck. Die Versorger haben nicht die Befürchtung, dass ihnen Kunden weglaufen“, erklärte gestern Uwe Leprich, Gasexperte an der Technischen Hochschule Saarbrücken und Mitautor der Studie.
Auch Verbraucherschützer sind der Überzeugung, dass der Wechsel des Energieversorgers ein deutliches Zeichen an die Gas– und Stromkonzerne ist und rufen die Kunden auf, sich für günstige und alternative Energieversorger zu entscheiden.


